Eröffnungsrede des Architekten Manfred Blasch

Nach nun fast 4 Jahren Planungs- und Realisierungsphase ist es schön heute hier zu stehen und mit Ihnen die Übergabe des fertigen Werks feiern zu können.

Bei einer derartigen feierlichen Eröffnung ist auch immer der Zeitpunkt gegeben, die Frage zu beantworten, die nach dem Betrachten eines neuen, von den üblichen Sehgewohnheiten abweichenden Gebäudes, von den Bürgern manchmal freudig, aber oft auch missmutig und genervt gestellt wird: 
>Was hat sich denn der Architekt denn dabei gedacht!<

Um die Frage zu beantworten müssen wir bis in den Sommer 2012 zurückgehen, als der Marktrat zur Erreichung von Lösungsvorschlägen für den Neubau eines Kultur- und Begegnungszentrums für die Bürger von Lappersdorf einen kleinen Architektenwettbewerb initiert hat.

Der Entwurf eines baulichen Behältnisses für unterschiedlichste Aktivitäten und Veranstaltungen war gefordert, das Raumprogramm war überschaubar, es sah folgende hauptsächliche Räume vor:
- großer Veranstaltungssaal mit Bühne für bis zu 500 Personen bei Bestuhlung, möglichst unterteilbar
- 2 kleinere Veranstaltungsräume
- vorgelagertes Foyer
- Cateringküche und Ausgabetheke für Getränke
- Umkleideräume hinter der Bühne
- Lager- und Technikräume

Die Grundrissanforderungen funktionell zuzuordnen war kein großes Problem.
Als Baugrundstück war die zwischen dem ansteigenden Ortsrand und der Schallschutzwand auf dem Damm der Kreisstraße liegende langgestreckte Angerwiese vorgegeben, der Bereich des ehemaligen Verlaufes des Regenbettes, bevor dieser durch den Bau der Autobahn in Richtung Osten umverlegt wurde.
Der Bauort war damit die tiefste Stelle Lappersdorfs!
Das Problem war gegeben, dass an dieser Stelle ein wichtiges Gemeinschaftsgebäude für die Bürger der Marktgemeinde ohne eine gewisse Höhenentwicklung für immer versteckt geblieben und nicht wahrnehmbar gewesen wäre.
Ein wichtiges Planungsziel war es deshalb für uns, ein Haus zu entwerfen, das mit seiner Oberkante mindestens einige Meter über die dichte Baumreihe entlang der Schallschutzwand der Kreisstraße hinausragen muss.
Die dazu anzuwendenden Mittel fanden wir beim Studium der Ortschronik Lappersdorfs.
Die Ursprünge des Ortes gehen auf eine Aussenstelle des damals mächtigen Klosters Emmeram zurück, eine Klosterökonomie.
Die Grundidee für den zu entwerfenden Baukörper war eingegrenzt, ein Stadelgebäude wie es für die Klosterökonomien damals typisch war.
Eine steile Dachneigung ist für diese Gebäudetypologie charakteristisch, die gewählte Steilheit des Daches wurde von uns zudem vom ältesten Gebäude Lappersdorf, dem Zeitlerhaus, abgeleitet.
Diese Ableitungen aus der Geschichte des Bauortes führten zu dem Vorschlag einer im Grunde sehr traditionellen monolithischen Baukörper-Grundform eines Stadelgebäudes.

Als nächster Entwurfsschritt war zu prüfen, welche Bedeutung dieses neue Kulturgebäude für die Marktgemeinde Lappersdorf haben würde, auch, welche Bedeutung es bekommen soll, und welche gestalterischen Mittel über die gefundene Baukörperform hinaus angemessen sind und welche Architektursprache, welcher architektonischer Ausdruck dies beförden könnte.
Das Thema Neubau eines Treffpunktes für eine Bürgergemeinschaft, in dem regelmäßig kulturelle Veranstaltungen verschiedenster Art stattfinden, eines Hauses, in dem die Bürger sich treffen, feiern und ihre Gäste empfangen, stellte dazu besondere Anforderungen.
Die Aspekte  Erlebnis, Atmosphäre, Repräsentation, Erinnerbarkeit und Wahrnehmbarkeit  waren dazu mit in die Überlegungen einzubeziehen.
Im neuen Kulturzentrum sollen ja auch regelmäßig viele feierliche Veranstaltungen stattfinden, zu deren Besuch man sich gerne chic macht und dazu die schönsten Kleidungsstücke aus seinem Garderobenschrank auswählt.
Wäre es dann nicht auch legitim, von einem Gebäude in einem besonderem, festlichen Kleid empfangen zu werden?

Auf der Suche nach diesem Festkleid für das Gebäudes sind wir wieder auf ein traditionelles, bewährtes, langlebiges und wartungsarmes Material gestoßen: Kupferblech
Durch Beimengung von insgesamt rund 5% Anteilen Zinn und Aluminium verwandelt sich das ansonsten schwarzbraune Kupferblech in eine dauerhaft mattschimmernde goldfarbene Oberfläche.
Diese 5%-Zugabe soll auch helfen, eine besondere Stimmung hervorzurufen wenn das goldgelbe Kleid dem Gebäude in der untergehenden Abendsonne eine warme Ausstrahlung und Atmosphäre verleiht, und diese 5%-Zugabe sorgt auch für einen hohen Wiedererkennungs- und Erinnerungswert des Gebäudes.
Das wiederum befördert den Bekanntheitsgrad des Kulturhauses über die Region hinaus und möge für den Betrieb des Gebäudes vorteilhaft sein.

Wir haben versucht, mit der gewählten Architektursprache, der Raumgestaltung und der technischen und gestalterischen Raumaustattung eine möglichst hochwertige Grundlage für einen langfristig erfolgreichen und für die Nutzer erlebnisreichen Betrieb das Hauses zu schaffen.
Das Farbkonzept des Projektes berücksichtigt die Farben des Gemeindewappens:
Das Grau des oberpfälzer Löwen sowie der Wellenlinie des Regens findet sich in den Sichtbetonflächen wieder.
Das Gold des Zinnenbalkens dominiert die Außenerscheinung des Gebäudes, auch die Farbe des Holzes der Tragkonstruktionen des Saaldaches und des Foyers lassen sich noch in diese Farbkategorie einordnen.
Das Blau des Wappenhintergrundes betont Türen und Teile der Innenausstattung
Vom Grün der Landschaften und Wiesen wird das Gebäude umgeben.

Weitere Bezüge zum Bauort, dem ehemaligen Regenbett, sind auch in Details versteckt:

- in der Wellenstruktur an den Akustik-Wandbekleidungen des großen Saals und des Gemeinschaftsraumes im 1.OG
- in den Leuchten im Foyer, die sich nachts hundertfach in den Glasflächen spiegeln und die an Flußkieselsteine erinnern.
- in der Freianlagengestaltung, die sich widmet sich mit ihren Kieselsteinfeldern und den jetzt noch unscheinbaren, später hohen Ufergewächsen dem Thema Regenufer verschrieben hat.
- und in der beeindruckenden, 7m langen Regenzille, die aus einem massiven Granitblock herausgebrochen, als Kunstobjekt vor der Foyerfassade vor Anker liegt.

Wenn aus den Presseberichten der vergangenen Tage herauszulesen war, dass hier ein Konzerthaus mit einem optimiert gestalteten Saal für klassische Konzerte entstanden sei, so muss man dies relativieren.
Es ist nach wie vor ein Mehrzwecksaal für verschiedenartige kulturelle Nutzungen und gesellschaftliche Veranstaltungen der Bürger des Marktes.
Der Wiener Architekt Adolf Loos hat jedoch zum Thema >Mehrzwecksaal< schon vor fast 100 Jahren festgestellt:
>MehrZweck ist weniger Zweck<
Er meinte damit, dass ein Gebäude, dass vielen unterschiedlichen Nutzungen dienen soll, für die speziellen Anforderungen der jeweiligen einzelnen Nutzungen wenig optimale Voraussetzungen bieten kann.
Dieses Manko haben wir im Hinblick auf die wichtige Raumakustik für den großen Veranstaltungssaal durch die Installation einer >wandelbaren< Raumakustikausstattung zu durchbrechen versucht.

Die akustischen Absorberelemente können je nach Anforderung einfach umgebaut und auf die jeweilige Veranstaltungsart hin angepasst werden.
Dabei können auch verschiedenste Zwischenintensitäten eingestellt werden.
In den Computersimulationen der Akustikingenieure konnten hier bei entprechender Einstellung der Raumakustikelemente sowohl für elektroakustisch unterstützte als auch für reine sprachliche und konzertante Veranstaltungen jeweils sehr gute, hochwertige raumakustische Ergebnisse nachgewiesen werden.
Die Optimierung der Raumakustik muss sich jedoch sicher in den kommenden Wochen noch durch praktische Erfahrungswerte im Umgang mit dem variablen System einspielen.

Bevor ich nun symbolisch die Schlüssel an Herrn Bürgermeister Hauner übergebe, ist es mir ein Anliegen, meinen besonderen Dank auszusprechen

- an den Altbürgermeister Erich Dollinger, der dieses Projekt 2012 mit seinem Marktgemeinderat aus der Taufe gehoben hat.
  Vielen Dank für die mutige Entscheidung, ein derartiges Projekt auf den Weg zu bringen.
  Und vielen Dank für die noch mutigere Entscheidung, unseren Entwurfsvorschlag für die Realisierung auszuwählen.

- an seinen Nachfolger Christian Hauner und den aktuellen Mitgliedern des Marktgemeinderates, die das Projekt wie ein liebgewordenes Kind adoptiert und vorbehaltlos weiter gefördert haben.
  Vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen.

- an die Mitarbeiter der Verwaltung des Marktes Lappersdorf, die über die 4 Jahre der Zusammenarbeit immer fachlich sehr kompetente und partnerschaftliche Ansprechpartner waren.
  Ich danke besonders dem Leiter der Bauabteilung, Herrn Peter Achatz und seinem Kollegen, Herrn Huber, sowie Herrn Klaus Schreiner aus  der IT-Abteilung sowie Herrn Klaus Gleißl, der für das >Facility Management< des AURELIUMs zuständig ist, für die durchgängige  Unterstützung während der Planungs- und Realisierungsphase.

- an den während der Bauzeit berufenen Leiter des AURELIUMs, Herrn Klaus Wenk, der das bei seinem Amtsantritt halbfertige Werk mit Begeisterung angenommen und mit guten Ideen weiter begleitet und befördert hat.

Und ich möchte zum Abschluß noch das Planungsteam vorstellen, das an der erfolgreichen Umsetzung und Realisierung unserer Entwurfsideen wertvollste spezialfachliche Unterstützung geleistet hat:

- Fachgebiet Bauleitplanung / Bebauungsplan: 
  Büro Bernhard Bartsch, Neutraubling

- Lärmschutz und Verkehr:
  Ing.Büro Geoversum, Cham

- Bodengutachten:
  Ing.Büro Klein+Winkelvoss, Lappersdorf

- Tragwerksplanung/Statik:
  Ing.Büro Graf, Wenzenbach

- Brandschutzplanung:
  Ing.Büro Kölbl, Neumarkt
 
- Haustechnikplanungen ( Heizung / Lüftung / Sanitär / Elektro ):
  Ing.Büro Martin-Paulus, Regensburg
  in Zusammenarbeit mit Ing.Büro Meyer,Regensburg

- Raumakustikkonzept:
  Ing.Büro Prof.Sorge, Nürnberg

- Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination:
  Ing.Büro Laumbacher, Lappersdorf

- Gebäude-Leitsystem:
  Toway GmbH, Regensburg

- Freianlagenplanung:
  Wamsler Rohloff Wirzmüller Landschaftsarchitekten, Regensburg

- Kunst am Bau:
  Heiner Glas, Nittendorf


Ich hoffe nun, dass die Lappersdorfer Bürger das neue Gebäude gerne annehmen und sich bald hier Zuhause fühlen können.
Ich bin überzeugt, dass sich das AURELIUM unter der engagierten Leitung von Klaus Wenk sicher schnell zu einer kulturellen Institution in der Region Regensburg entwickeln wird und drücke die Daumen, dass es >goldenen< Zeiten entgengengeht.
Zur Eröffnung und Inbetriebnahme darf ich Ihnen, Herr Bürgermeister Hauner, nun einen passenden goldenen Schlüssel überreichen……

 

MANFRED BLASCH              BLASCH ARCHITEKTEN REGENSBURG

 

 

Veröffentlicht am 13.05.16