Das AURELIUM beginnt endlich zu glänzen

Von Andreas Meixner, MZ.

Das Georgische Kammerorchester Ingolstadt eröffnet das neue Kulturzentrum in Lappersdorf mit einem Konzert der Spitzenklasse.

Lappersdorf. Es ist Zeit geworden. Nach fast einem Jahr der intensiven Vorbereitung durch den umtriebigen Klaus Wenk startete am Sonntag die erste, offizielle Konzertsaison des Lappersdorfer AURELIUM mit dem Konzert des Georgischen Kammerorchesters aus Ingolstadt. Und das war in vieler Weise sehr spannend. Vor allem die Fragen: Wie fühlt sich der neue Konzertsaal an? Welchen akustischen Charakter entwickelt der Raum in seinem architektonischen Dreiklang zwischen Holzfassade, offenen Dachstuhl und Sichtbeton?

Schwere Kost zur Eröffnung
Um dies auszuloten, war das Abendprogramm mit seiner großen, dynamischen Bandbreite sicher schon ein erster Prüfstein. Unter dem stets präzisen und fordernden Dirigat von Ruben Gazarian begann das Konzert mit der Suite für Streichorchester von Leos Janacek. Keine leichte Kost zum Einstieg. Das Frühwerk aus dem Jahre 1877 ist eigenwillig und sperrig. Es war der Klasse des Streichapparats und dem präzisen Dirigat zu verdanken, dass das interessierte Publikum aufmerksam der hohen Kunstfertigkeit durch die einzelnen Sätze folgte.

John Irelands anschließende „A Downland Suite“ war in seinem typisch britischen Tonfall schon viel gefälliger. Die Ernsthaftigkeit Janaceks wich der größeren Leichtigkeit einer musischen Landschaftsbeschreibung Südenglands. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war das Georgische Kammerorchester in dem neuen Konzertsaal angekommen, entwickelte sichtlich mehr und mehr Spielfreude.

Brittens Musik blieb stets transparent und duftig
Das setzte sich auch nach der Pause nahtlos in den vier Sätzen der „Simple Symphony“ von Benjamin Britten fort. Spielerisch und tänzelnd durch alle Stimmen blieb Brittens Musik stets transparent und duftig. Dass der bekannte, zweite Satz mit seinem durchgehenden und humorig gedachten Pizzicato-Spiel nicht immer ganz präzise funktionierte, wirkte dagegen eher charmant und trübte den Gesamteindruck nicht einen Moment.

Ein Erlebnis von Rang
Zumal das Orchester mit der abschließenden Holbergs Suite von Edvard Grieg ein grandioses Feuerwerk an kammermusikalischer Finesse und Dynamik abbrannte. Noch einmal gelang eine enorme Steigerung in der Musizierfreude. Griegs wunderbare Suite wurde in den Händen der georgischen Streicher zu einem grandiosen Erlebnis von Rang, das zu Recht vom bestens besuchten Haus begeistert beklatscht wurde.
Applaus verdiente auch eine höchst gelungene Premiere des neuen Kulturortes in Lappersdorf. Die Akustik ist ehrlich, frei von Irritationen und tragfähig, und vor allem mit Blick auf die Multifunktionalität zwischen Klassik, Jazz und Pop trefflich gelungen. Das Publikum und die Musiker fühlten sich sichtlich wohl. Und der ostbayerische Kulturraum hat ein neues Highlight. Ein goldenes in jeder Hinsicht: Das AURELIUM.

Veröffentlicht am 19.04.16